Das lange vernachlässigte Quartier St. Leonhard soll zu einem sozialen und architektonischen Leuchtturmprojekt für Braunschweig werden. Die Richard Borek Stiftung realisiert dort ein integratives Stadtviertel, in dem Menschen generationsübergreifend eine unterstützende Nachbarschaft finden, in der sie wohnen, arbeiten und lernen können – auch wenn sie mit Einschränkungen leben. Diese Vernetzung ist in ihrer inklusiven und intergenerativen Vielfalt einmalig in Braunschweig und sogar in Deutschland. „Es entsteht ein soziales Quartier, das Menschen aller Generationen Gemeinschaft und Teilhabe ermöglicht. Die Idee einer Stadt für alle nimmt hier Gestalt an“, erklärt Stefan Drees (Feddersen Architekten, Berlin) das Konzept seines Büros. Wichtiger Bestandteil ist dabei die Gestaltung des Außengeländes. Durch zwei L-förmige Neubauten ergeben sich zu den ehemaligen Stallscheunen hin zwei gefasste Hofsituationen, die lebendige Mittelpunkte bilden.

 

Es entsteht ein Quartier, das die denkmalgeschützten Bestandsgebäude umnutzt und durch Neubauten ergänzt. In den neuen Gebäuden werden unter anderem Wohnungen für Menschen mit Behinderung und für Senioren, Räume für einen „International Kindergarden“ und ein Internat, für eine Fachambulanz und eine Tagesklinik sowie für eine Diakoniestation und Arztpraxen geschaffen. Die Bruttogeschossfläche wird insgesamt knapp 25.000 Quadratmeter betragen.

 

Durch den sozialen Schwerpunkt wird zudem an die ursprüngliche, mittelalterliche soziale Nutzung des Areals als Siechenhospital im 16. Jahrhundert angeknüpft. Zum Gesamtquartier gehört übrigens auch die namensgebende St. Leonhard-Kapelle aus dem 12. Jahrhundert. Sie ist nach dem Dom Braunschweigs zweitältestes noch erhaltenes Bauwerk. Mit dem ehemaligen Verwalterhaus, das heute Teil der Hans-Georg-Karg-Grundschule ist, gibt es noch ein weiteres denkmalgeschütztes Gebäude im Viertel. Die Schule ergänzt dazu den generationsübergreifenden Anspruch des Projekts.

 

Die Bauplanung der Feddersen Architekten (Berlin) und die Nutzungskonzepte des Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands e.V. (CJD) Braunschweig, der Evangelischen Stiftung Neuerkerode (ESN) und der Borek Immobilien GmbH (BI) sind in enger Abstimmung mit der Stadt Braunschweig und mit fachlicher Beratung von Ackers Partner Städtebau (Braunschweig) entstanden.